Japan

Allgemein
Japan (oder auch im Japanischen Nihon oder Nippon) ist der viertgrößte Inselstaat der Welt. Der Landesname setzt sich aus den Schriftzeichen 日 (in diesem Fall "ni" ausgesprochen, Bedeutung: Sonne) und 本 (in diesem Fall "hon" ausgesprochen, Bedeutung: Ursprung oder Wurzel) zusammen. 日本 (nihon) hat also zusammen die Bedeutung "Ursprung der Sonne". Japan ist bei uns auch als "Land der aufgehenden Sonne" bekannt. Diese Bedeutung spiegelt sich auch in der japanischen Flagge wieder, die eine rote Sonne auf einem weißen Hintergrund zeigt. Nihon kann in Kanji (siehe oben) oder auch in Hiragana (Beisp. にほん oder にっぽん) geschrieben werden.

Japan ist nicht nur eine Insel, sondern genaugenommen eine Inselkette. Die Hauptinseln sind Hokkaidō (ganz im Norden), Honshū (die größte Insel, zentral zu den anderen gelegen, hier befindet sich auch die Hauptstadt Tōkyō), sowie Shikoku und Kyūshū (ganz im Süden). Hinzu kommen noch 6.848 kleinere Inseln.

Die Währung ist YEN. 100Yen sind ca. 70 Cent. Die Gesamtbevölkerung beträgt um die 127 Millionen Menschen auf einer Landesfläche von 377.835 km². Das entspricht einer ungefähren Bevölkerungsdichte von 337 Einwohner pro km², also kann man sich vorstellen, dass Japan recht dicht besiedelt ist. Das Problem zudem ist, dass es recht viele Berglandschaften gibt (genau genommen 73% der Landmasse), die für Menschen nicht bewohnbar und wirtschaftlich nicht nutzbar sind. Daher müssen die Japaner sehr erfinderisch werden um sich Platz zu verschaffen. So werden in diversen Projekten Küsten erweitert in dem das Meer aufgeschüttet wird. Der Bevölkerung konzentriert sich überwiegend im Raum von Tōkyō.

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Der Inselstaat Japan erstreckt sich in einem weiten Bogen von Norden nach Süden durch mehrere Klimazonen. Daher fällt das Klima in Japan sehr unterschiedlich aus. Während die Insel Hokkaidō in der kalt-gemäßigten Klimazone liegt, mit kalten und schneereichen Wintern, liegt Okinawa in der Subtropen Zone mit heiß-feuchtem Klima.

Japan liegt an der Bruchzone von drei tektonischen Platten. Von etwa 240 Vulkanen in der Umgebung die dem pazifischen Feuerring angehören sind 40 noch aktiv. Daher finden fast täglich leichte, kaum messbare Erdbeben statt. In unregelmäßigen Abständen auch schwere Beben und Tsunamis. Das Land besitzt Messbojen im Pazifischen Ozean und ein effektives Tsunami-Frühwarnsystem. Viele Küstenstädte schützen sich durch hohe Deiche. Diese Deiche sind Wälle aus Stahlbeton und teilweise 10 Meter hoch, bis zu 25 Meter tief und mit stabilen Metalltoren ausgestattet. Zudem finden für die Bevölkerung regelmäßig Trainingsprogramme statt.

Östlich des Archipels erstreckt sich der Pazifische Ozean, während westlich bis südlich das japanische Meer liegt was Japan von Russland, Nord- und Südkorea trennt.

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Wissenswertes

  • Die Zeit (Tokio) ist +7 Std. zu unserer Winterzeit und +8 zu unserer Sommerzeit. In Asien werden die Uhren zur Sommer- und Wintersonnenwende nicht umgestellt.
  • In Japan herrscht -wie auch in England oder Hong Kong- Linksverkehr. Der Führerschein kann mit der Vollendung des 18. Lebensjahrs gemacht werden. Mit einem deutschen Führerschein darf man in Japan Auto fahren sofern dieser mindestens drei Monate vor der Einreise ausgestellt wurde und eine Übersetzung durch den JAF (japanischer ADAC) oder die deutsche Botschaft erfolgte. Diesen Führerschein kann man 6 Monate lang in Japan nutzen. Bei längeren Aufenthalten muss der Führerschein auf einen japanischen Führerschein umgeschrieben werden.
  • In Japan gibt es eine strafrechtliche Todesstrafe. Diese erfolgt durch Erhängen. Laut einer Studie von 1999 sprachen sich 79,3 % der befragten Japaner für die Todesstrafe aus, es gibt aber auch Kritiker.
  • Alkohol trinken und Rauchen darf man erst mit 20 Jahren.
  • Es ist unüblich ein Trinkgeld im Restaurant zu geben.
  • Die Mehrwertssteuer beträgt in Japan 5%.

Sprache und Schrift

Die erste Sprache Japans ist Japanisch. Diese ist aber nicht gesetzlich so festgelegt, sondern beruht auf dem Gewohnheitsrecht. Japanisch wird von den meisten Menschen der Bevölkerung, inklusive ihrer Minderheiten gesprochen. Es existieren mehrere regionale Dialekte. Mehr zu der Sprache findet ihr HIER.

Im Gegensatz zum Deutschen verwendet das Japanische nicht nur ein Schriftsystem sondern gleich vier. Da wären als erstes Hiragana und Katakana (zusammengefasst unter dem Namen Kana). Beides sind Silbenschriftsysteme, sie sich ursprünglich von den Manyôgana ableiten, eine vereinfachte Form der Kanji, die in Japan erfunden wurde und es heute nicht mehr gibt. Kanji sind sog. Schriftzeichen und stammen ursprünglich aus dem Chinesischen. Es sind keine einzelnen Buchstaben sondern können ganze Worte oder Wortteile darstellen. Das letzte Schriftsystem ist Romaji und ist, wie der Name schon vermuten lässt, nichts weiter als unser römisches Alphabet. Es folgen Beispiele zu Katakana (links), und Hiragana (rechts). Mehr zu der Schrift findet ihr HIER.

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Menschen

Es leben ca, 127 Mio. Menschen auf der Inselkette. Darunter gibt es verschiedene Bevölkerungsgruppen bzw. Minderheiten. Die zahlenmäßig größte Minderheit Japans sind die etwa 650.000 koreanischstämmigen Japaner, die seit Generationen in Japan leben. Sie besitzen größtenteils nicht die japanische Staatsangehörigkeit. Die Bevölkerung der Ryūkyū-Inseln, die historisch ein eigenständiges Reich bildeten mit eigener Kultur und Sprache. Des Weiteren gibt es noch die Ainu auf der nördlichen Insel Hokkaidō (Japans Ureinwohner mit eigener aber aussterbender Sprache), japanischstämmige Südamerikaner (meist Brasilianer) und Gastarbeiter aus dem arabischen, indischen und südostasiatischen- Raum. Aber es gibt auch einen großen Anteil chinesischer und koreanischer Einwanderer. Japan hat eine Ausländerrate von 1,2%, was auch an den strengen Einbürgerungsvorlagen (fester Job, Sprachtests etc.) liegen mag. Es leben ca. 337.000 Deutsche in Japan.

Wie auch viele andere Länder hat die japanische Gesellschaft mit Problemen der Geburtenrückgänge, Überalterung und Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen. Merkmal der japanischen Gesellschaft ist ein hoher Bildungsstand. Des Weiteren würden sich ca. 80% aller Japaner - wenn sie gefragt würden - zur Mittelschicht zählen.

Da die japanische Gesellschaft sehr viel Wert auf Homogenität legt, ist sie gegenüber ethnischen oder sonstigen Unterschieden intolerant. So werden Nachfahren der "Aussätzigen-Kaste" - die Bukarumin oder Eta – (Menschen die in ihren Berufen u.a. mit Blut zu tun hatten z.B. Metzger, Hebamme etc…) auch heute noch von konservativen Gruppen als "unrein" wahrgenommen und sogar immer noch teilweise ausgegrenzt oder diskriminiert (auch wenn diese Menschen nichts mehr mit ihren Vorfahren gemein haben). Heute werden die Burakumin vom Staat geschützt und können weitestgehend nicht mehr durch ihre Namen oder Wohnsitz von anderen Japanern unterschieden werden. Auch Ausländer (Gaikokujin oder beleidigend Gaijin) sind von Diskriminierung betroffen. Das kann soweit führen, dass selbst Japaner, die eine längere Zeit im Ausland lebten und wieder nach Japan zurückkehren, diskriminiert werden. Homosexuelle Menschen werden von den konservativen Teilen der Bevölkerung ebenfalls nicht angenommen. Auch Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki (Hibakusha) und deren Nachfahren waren oft Diskriminierungen ausgesetzt. Die Sorge gilt hier vor allem bleibenden Erbschäden, die ein Ehepartner in die Familie bringen könnte. In vielen Großstädten sind die Japaner jedoch offen und diese Themen spielen dort immer weniger eine tragende Rolle für die Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft. Eine besondere Stellung in der Gesellschaft bekleidet die Yakuza, diese wird akzeptiert aber nicht für gut befunden.

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In der Bemühung in der Gesellschaft nicht aufzufallen und alles richtig zu machen, zeigen der Einzelne in der Öffentlichkeit nicht sein "wahres Gesicht" (Ura), sondern ein von der Gesellschaft idealisierten Bild (Omote). Es ist für Japaner auch nicht üblich Gefühle - besonders Wut - in der Öffentlichkeit zu zeigen. Gefühle gezeigt wird normalerweise nur in Anwesenheit enger Freunde oder der Eltern. Auch in der betrieblichen Entscheidungsfindung unterscheiden sich japanische Firmen von westlichen. Entscheidungen sollen unter Mitarbeit aller Firmenangehörigen getroffen werden.

Der japanische Name setzt sich aus dem Familiennamen, der immer als erstes genannt wird, und dem Vornamen zusammen. Bei einer Heirat müssen die Ehepartner sich auf einen Familiennamen einigen, dürfen aber keinen neuen wählen. Wenn ein Ausländer eine japanische Staatsbürgerschaft annimmt, bekommt er nach gesetzlich vorgegebenen Bestimmungen einen neuen japanische Vor- und Nachnamen.

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Präfekturen

Japan ist in 47 Präfekturen (Verwaltungsgebiete) eingeteilt. Diese haben ihre klaren Aufgaben, die ihnen vom zentralen Staat zur Durchführung aufgetragen werden. Innerhalb dieser Aufgaben sind die Präfekturen zwar relativ autonom, allerdings immer weisungsgebunden gegenüber der Zentralregierung und auch auf die Finanzierung durch den Zentralstaat angewiesen. Daher also nicht mit Deutschland und seinen Bundesländern vergleichbar. Eine Präfektur gliedert sich in Großstadt, Kleinstädte und Dörfer (die Kommunale Ebene). Die Einzige Ausnahme bildet hier die Präfektur Tokio in der zusätzlich die 23 Stadtbezirke als eigenständige Kommunen fungieren. Alle Präfekturen sind in Bevölkerungsdichte und Größe sehr unterschiedlich. Auf der Hauptinsel Honshū existieren am meisten, während die zweitgrößte Insel Hokkaidō nur eine Präfektur hat. Die Präfekturen genießen gewisse politische Freiheiten, so hat z.B. eine Präfektur Ausländer für Führungsjobs zugelassen, was im restlichen Japan nicht so gut angekommen ist, jetzt aber zur Normalität wird.

In den Präfekturen gibt es gewählte Parlamente und Gouverneure, die stärker den Weisungen der Zentralregierung unterliegen als die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer. Die legislative bildet ein Ein-Kammer Parlament. Wahlen finden alle vier Jahre statt.

Bildung, eine der Hauptaufgaben der deutschen Bundesländer, wird in Japan von der Zentralregierung und Bildungsräten auf Kreisebene geregelt, ohne Einfluss der Präfektur. Einige Universitäten werden jedoch von Präfekturen betrieben.

Kultur und Religion

Im Punkt Religion ist Japan ein sehr tolerantes Land. Die meisten Japaner gehören sowohl dem Shintoismus als auch einer der vielen verschiedenen buddistischen Glaubensgemeinschaften an. Des Weiteren ist das Leben in der japanischen Gesellschaft sehr vom Konfuzianismus geprägt.

80% der Japaner bekennen sich zu mehreren Religionen: Shintoismus (107 Mio.), Buddhismus (91 Mio.), Christentum (1,4 Mio.), Sonstige (11,3 Mio.)

Ein Beispiel für die Vermischung der verschiedenen Glaubensrichtungen: Manche Japaner heiraten nach shintoistischem Brauch in traditioneller Tracht, und danach manchmal noch einmal nach westlichem Stil kirchlich. Babys werden in Japan "akachan" ("rotchen" – nach der roten haut eines Neugeborenen) genannt, dies wird auf eine Legende früherer Zeiten zurückgeführt, die besagt wenn ein Neugeborenes zu früh einen Namen erhält, kämen die Shintô-Geister und würden es holen. Um die Geister zu täuschen, nannte man das Baby in den ersten Lebenswochen akachan. Der Begriff hält sich bis heute, auch wenn die Babys nun sofort ihren Namen bekommen. Auch japanische Volksfeste (matsuri) lassen sich auf Shintô Glauben zurückführen. Beerdigungen allerdings werden größtenteils nach Buddhistischen Bräuchen, mit einem Priester der aus Sûtren zitiert gehalten.

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Politik und Tennō

Der Tennô (dt. Kaiser, wörtlich übersetzt: Herrscher vom Himmel) ist heute nur noch eine Art Symbol "das Symbol des Staates und der Einheit des Volkes" und hat keine direkte politische Entscheidungsgewalt mehr. Sein Amt ist zeremonieller Natur. Er ernennt den gewählten Ministerpräsidenten und den Präsidenten des obersten Gerichtshofes, er verkündet die Gesetze und beruft das Parlament ein. Außerdem ist er oberster Priester des Shintō.

In Japan herrscht Parlamentarische Demokratie und ein Zweikammersystem. Das Unterhaus wird alle 4 Jahre gewählt. Die letzte Wahl war am 11. September 2005. Es gibt 480 Sitze, davon werden 300 in Einpersonenwahlkreisen per Mehrheitswahl gewählt und 180 Sitze auf 11 Regionallisten per Verhältniswahl besetzt. Das Oberhaus wird alle 6 Jahre gewählt, alle drei Jahre findet eine Neuwahl für die Hälfte der Sitze statt.

Fujisan

Der Fujisan (富士山) ist mit einer Höhe von 3776 m Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg Japans und liegt auf Hauptinsel Honshu auf der Grenze zwischen den Präfekturen Yamanashi und Shizuoka. Bei klarem Wetter kann er von Tokio aus gesehen werden. Der Fuji ist ein Vulkan mit einem niedrig eingestuften Ausbruchsrisiko. Der letzte bekannte große Ausbruch fand 1707 statt.

Die moderne Schreibweise des Fujisan setzt sich aus den Kanji 富 (fu, reich), 士 (ji, Krieger) und 山 (san, Berg) zusammen. Hierbei ist aber wahrscheinlich, dass diese Kanji nur aus diesem Grund genommen wurden, da sie zur Aussprache passten. Es gibt viele Spekulationen über die ursprüngliche Bedeutung des Namens ist umstritten und so gibt es unter Anderem die Theorie, dass der Name von 不尽 (fujin, endlos) kommt. Dies wird wahrscheinlich aber niemals geklärt werden. In westlichen Ländern wird oft fälschlicher Weise die Bezeichnung Fujiyama oder Fudschijaman 山 (Berg). Die –kun Lesung ist zwar yama, in aus mehreren Zeichen zusammengesetzten Wörtern wird jedoch üblicherweise die ON Lesung "san" verwendet. Diese beruht allerdings auf einer falschen Aussprache des Kanji.

Der Fuji ist ein im Shintoismus heiliger Berg und heute ein beliebtes Touristenziel. Durch seine Form ist der Berg im Vergleich zu anderen 3000 Bergen leicht zu besteigen und so finden sich in den Sommermonaten bis zu 3000 Touristen täglich auf dem Gipfel des Berges wieder. Es gilt als ungeschriebene Pflicht eines Japaners, einmal im Leben auf den Fuji zu steigen.

Schulsystem, Arbeit und Leistungsdruck

Die Bildung hat in Japan durch den Konfuzianismus einen hohen Stellenwert. Das Ansehen der Schule spielt bei der Schulauswahl zwar eine große Rolle, aber nur deswegen, weil oft eine angesehene Firma A dafür bekannt ist, die neuen Angestellten auch nur von Schule A zu holen. Wer also im angesehenen Kindergarten A war, kommt auch nur auf die Schule A, die ihre Schüler auch nur aus Kindergarten A holt, und so zieht sich das hin zur Oberschule A und Universität A und letztendlich die Firma A. Es ist fast unmöglich von Universität B in Firma A zu kommen. Von der Wahl des Kindergartens an, rechnen sich die Eltern also die späteren Berufschancen ihres Kindes aus. Je angesehener die Schule, desto höher das Schulgeld. Bei jedem Schulwechsel (Grundschule -> Mittelschule -> Oberschule -> Universität) Folgt ein sehr harter Zulassungstest, indem unglaublich viel faktisches Wissen verlangt wird. Wissen, dass man teilweise zu kaum etwas anderem als diesem Test braucht. Es ist also oftmals reines auswendig lernen. Ein Jahr von diesen Tests hört sozusagen die Freizeit des Schulkindes auf und es wird jede freie Minute gelernt. Es ist nicht unüblich die Kinder nachmittags nach der normalen schule und an den Wochenenden in eine sog. Nachhilfeschule zu schicken in denen sie auf die Tests zusätzlich vorbereitet werden. Diese Zeit ist als die "Lernhölle" bekannt. Wer in Schule A war, den Test zu Mittelschule A also schreiben konnte, und diesen nicht schafft, sinkt ab. D.h. er kann nicht mehr in Mittelschule A kommen und versucht als nächstes den Test zur weniger angesehenen Mittelschule B, der leichter ist. Denn, je angesehener die Schule, desto schwerer der Test. Quereinstige, dass jemand von schule C auf eine Schule A kommt sind fast unmöglich. Kinder die durch alle Systeme fallen, die Lernhölle nicht mehr ertragen etc. gelten als verdorben und erhalten ihre "letze" Chance in einer sog. Schule für Verdorbene.

Die Angst vor diesem Fall, lässt manche Eltern sogar mit ihrem Kind im Babyalter zu einem Lehrer gehen. Dieser hält dann z.B. Karten mit Abbildungen von verschiedenen Objekten hoch und sagt dem Baby dann das dazugehörige Wort.

So wird mit der Auswahl des Kindergartens schon das spätere Berufsleben in die Bahnen gelenkt. Die Schulausbildung eines Kindes in Japan kostet ein kleines vermögen, manche Japanforscher nehmen an, dass dies mitunter ein Grund für die niedrige Geburtenrate in Japan ist.

In Japan beginnt die Schulausbildung mit dem Kindergarten, dieser kann vom 3. bis 5. Lebensjahr besucht werden. Hier besteht auch oft eine Schuluniformpflicht. Da in der japanischen Gesellschaft viel Wert auf gemeinsames Zusammenleben und Lernen gelegt wird, findet dort genauso wie in der Grundschule sehr viel Gruppenarbeit statt.

Mit der sechsjährigen Grundschulzeit beginnt auch die Schulpflicht, die insgesamt 9 Jahre beträgt. Jedes Schuljahr beginnt ab dem 1. April und wird von Ferien, die im ganzen Land einheitlich geregelt sind, unterbrochen. In Japan können die Schüler nicht sitzenbleiben. Sie werden bei jeder Leistung versetzt.

Grundschule

Die Grundschulzeit beginnt mit dem sechsten Lebensjahr und dauert sechs Jahre. Die meisten Schulen sind öffentlich und werden von den Gemeinden getragen. Schuluniformen sind nur selten Pflicht.

Mittelschule

Die Mittelschulzeit dauert drei Jahre und ist fest mit einer Uniformpflicht verbunden. Jede Schule hat dabei eine eigene Uniform mit eigenem Wappen und Farben etc. Die meisten Mittelschulen sind öffentlich, für private, höher angesehene Schulen muss eine Aufnahmeprüfung auf oft sehr hohem Niveau abgelegt werden. Im letzten Jahr der Mittelschule erfolgen intensive Vorbereitungen auf die Aufnahmeprüfung der Oberschule, die ca. 95% der Schüler besuchen. Die Finanzierung der meisten Grund- und Mittelschulen werden von den jeweiligen Gemeinden getragen und zusätzlich vom Staat unterstützt um eine einheitliche Grundausbildung während der Schulpflicht zu gewährleisten.

Oberschule

Die Oberschule unterliegt nicht mehr der Schulpflicht. Dennoch besuchen viele Japaner die Oberschule, da die Bildung einen enorm hohen Stellenwert in der Gesellschaft Japans besitzt und diese auch maßgeblich zum Ansehen beiträgt. Der Abschluss nach der dreijährigen Oberschulzeit ähnelt dem Abitur und ermöglicht dem Absolventen den Besuch von Universitäten. Oberschulen werden von den Präfekturen getragen und kosten eine Gebühr. Es gibt jedoch auch viele private Schulen die eine höhere Gebühr voraussetzen und ein wesentlich größeres Ansehen haben.

Hochschule

Ungefähr ein Drittel der Oberschulabsolventen gehen auf die Hochschule. Die Aufnahme wird durch eine Aufnahmeprüfung bedingt, die oft schwieriger ausfällt als das Studium inklusive Abschlussprüfung. So verbringen viele Schüler ein ganzes Jahr mit Vorbereitungen für diese Prüfung. Die Gebühren der Hochschulen betragen ca. 4.000 Euro jährlich und 10.000 Euro bei privaten Institutionen. Die Hochschulzeit beträgt vier Jahre und endet mit einem Bachelor. Nur ein Bruchteil der Schüler schließt nach dem Studium an der Hochschule noch einen Magisterkurs (zwei Jahre) und noch weniger einen Doktorkurs (meist drei Jahre) an.

Fremdsprachen in der Schule

Ab der Mittelschule wird Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet. Der Umfang des Unterrichts umfasst meist nur 3 Stunden in der Woche mit einem literarischen Schwerpunkt und dem Fokus auf Tests und Prüfungen. Mündlich und alltagsbezogen wird Englisch meist nicht so ausführlich unterrichtet.

An einigen Oberschulen (aber eher weniger) besteht die Möglichkeit eine zweite Fremdsprache zu wählen. Im Normalfall geschieht dies aber an einer Universität. Nach Englisch und Chinesisch ist Deutsch hier die dritt beliebteste Fremdsprache. Es besteht aber auch die Möglichkeit z.B. Koreanisch oder Französisch zu lernen.

Arbeitsleben

Die Japaner, besonders Facharbeiter und Gebildete, identifizieren sich stark mit dem Erfolg ihres Betriebes. Sie binden sich stark an ihren Betrieb und so ist es nichts seltenes nach der Arbeit mit dem Chef oder Arbeitskollegen z.B. in eine Karaoke Bar zu gehen oder etwas trinken zu gehen bis in die frühen Morgenstunden. Es gibt auf der anderen Seite auch die Freeter, nicht firmengebundene Arbeitskräfte, die von Teilzeitjob zu Teilzeitjob wechseln.

Japaner haben oft den Ruf 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Das ist aber nicht der Normalfall, es gibt durchaus auch Japaner, die nach regulären 8 – 9 Stunden ihren Arbeitsplatz verlassen. Dies ist Berufsabhänging.

Ein erstaunlicher Begriff im Bereich Arbeit ist u.a. Karōshi genannt und bedeutet Tod durch Überarbeitung. Aufgrund der extremen Identifizierung mit der eigenen Firma vernachlässigen einige Angestellte die Bedürfnisse ihres Körpers, was sogar bis zum Tod führen kann. Der extreme Leistungsdruck führt bei manchen Menschen zu Versagensängsten, was so weit gehen kann, dass Menschen ihr Zimmer nicht mehr verlassen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Dieses Phänomen wird Hikikomori genannt. Auch kommt es nicht selten vor, dass die Japaner kurze Nickerchen in der Bahn, in Warteschlangen oder auf öffentlichen Veranstaltungen machen. Sei es im stehen oder sitzen. Dies wird Inemuri genannt.

Im modernen Japan lag im Jahr 2004 die Selbstmordrate bei Männern bei 35,6 und bei Frauen bei 12,8 Fällen auf 100.000 Einwohner bezogen. Das entspricht im Vergleichszeitraum ungefähr der doppelten Suizidrate von Deutschland.
 
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