Die Schrift

Die Schrift
Im Gegensatz zum Deutschen verwendet das Japanische nicht nur ein Schriftsystem sondern gleich vier. Da wären als erstes Hiragana und Katakana (zusammengefasst unter dem Namen Kana). Beides sind Silbenschriftsysteme, sie sich ursprünglich von den Manyôgana ableiten lassen, eine vereinfachte Form der Kanji, die in Japan erfunden wurde und es heute nicht mehr gibt. Kanji sind sog. Schriftzeichen und stammen ursprünglich aus dem Chinesischen. Es sind keine einzelnen Buchstaben sondern können ganze Worte oder Wortteile darstellen. Das letzte Schriftsystem ist Romaji und ist, wie der Name schon vermuten lässt, nichts weiter als unser römisches Alphabet.

Bei den drei japanischen Schriftsystemen ist die Richtung und Reihenfolge der Striche wichtig. Ursprünglich wurde mit Pinsel auf Schriftrollen von oben nach unten spaltenweise und von rechts nach links geschrieben. Heute ist aber auch die westliche Schreibweise von links nach rechts, zeilenweise nach unten gebräuchlich. Auch die Strichfolge in der die einzelnen Zeichen der Schriftsysteme geschrieben werden sind festgelegt.

Katakana
Katakana werden dafür verwendet um ausländische Wörter (ausgenommen Chinesisch), auf japanisch zu schreiben, manchmal aber auch im Werbewesen und auf Flyern etc. um bestimmte Begriffe herauszuheben oder für die jüngere Generation "trendy" wirken zu lassen. Das Wort wird dabei genauso geschrieben, wie es (von einem Japaner) ausgesprochen wird. Aufgrund der Silbenschrift gibt es jedoch einige Probleme, wenn man z.B. englische Begriffe schreiben will: So können nicht mehrere aufeinanderfolgende Konsonanten geschrieben werden (z.B. mm) da in der Silbenschrift nach jedem Konsonanten meist ein Vokal folgt. Eine weitere Besonderheit in der Schrift nimmt das kleine „tsu“ ein. Nehmen wir da mal unser Lieblingsstacheltier Sonic als Beispiel: Sonic wird im Japanischen „so-ni-tsu-ku“ geschrieben. Das kleine "tsu" ist etwa halb so groß wie die anderen Zeichen und verdeutlicht, dass der darauf folgende Laut in diesem Fall das ku, besonders ausgesprochen wird. Will man Sonic in Japanisch also richtig aussprechen spricht man das so-ni bis dahin normal, setzt die Zunge an die Stelle an der das "K" gesprochen wird an, hält die position einen kurzen Moment lang, lässt es dann los und spricht zu Ende. Das letze U kann ausgespart werden. Man spricht das kleine "tsu" an sich also gar nicht aus, es verändert lediglich die Aussprache des darauf folgenden Laut. In der Umschrift wird das kleine "tsu" durch einen Doppelkonsonanten dargestellt, also Sonikku. Je nachdem in welchem Silbenalphabet man schreibt, wird das kleine "tsu" in Katakana oder Hiragana geschrieben. Die japanische Schrift kennt außerdem kein "l". Dies wird meist durch ein "r" ersetzt. Dies führt zu (für uns) manchmal kuriosen Ergebnissen:

  • Nights -> na i tsu -> ナイツ
  • Virtua Fighter -> ba- cha fu a i ta -> バチャフアイタ
  • Burning Rangers -> ba- ni n gu re n ja- -> バーニング レンジャー
Der Strich hinter einer Silbe funktioniert als Dehnung. D.h. der Vokal wird lang gesprochen.

Es gibt insgesamt 47 Katakana Zeichen. Die Zeichen sind von der Strichfolge her eher simpel gehalten. Wenn man sich die 50 Laute Tabelle ansieht (früher waren es 50 Zeichen), sieht man, dass jeder Vokal im Japanischen eine eigene Silbe bildet und auch als eigene Silbe gesprochen wird.

Die k-, s-,t- und h-Reihen können mit zwei zusätzlichen Strichen am rechten oberen Rand des Zeichens (Weicheitszeichen auf japanisch "tenten" genannt) verändert werden. Dies macht z.B. aus der Silbe "ta" ein weiches "da", aus "ka" ein "ga" und aus "ha" wird "ba" . Die h-Reihe kann als Einzige durch einen kleinen Kreis an gleicher Stelle verändert werden (Kreis = härter). So wird aus einem "ha" ein "pa".

Wenn man alle Lautveränderungen hinzuzählt, kommt man auf 72 Katakana- Zeichen. Dazu kommt noch ein langer Strich als Vokaldehnung. Siehe dazu Tabelle 1.



Hiragana
Hiragana werden für grammatische Formen, Flexionen oder Ähnlichem benutzt. Entweder als Konjugation (hinter einem Kanji das den Wortstamm bildet) oder als "Furigana", die über oder neben einem Kanji als eine Art Lesehilfe stehen (Lautschrift, denn nicht jeder Japaner kennt alle Kanji). Des Weiteren werden Hiragana auch oft in handschriftlichen Texten wie Mitteilungen, Notizen und Briefe verwendet.

Hirakana sind etwas komplizierter als Katakana und sind eher rund gezeichnet. Genau wie bei den Katakana gibt es auch hier 47 Schriftzeichen. Die k-, s-,t- und h-Reihen können, wie bei den Katakana, mit zwei zusätzlichen Strichen ("tenten") am rechten oberen Rand des Zeichens (Weicheitszeichen) verändert werden. Dies macht z.B. aus der Silbe "ta" ein weiches "da" usw.. Die h-Reihe kann als Einzige durch einen Kreis an gleicher Stelle verändert werden (Kreis = härter). So wird aus einem "ha" ein "pa". Siehe hierzu Tabelle 2 etwas weiter unten.

Wenn man alle Lautveränderungen hinzuzählt, kommt man auf 72 Katakana- Zeichen. Vokaldehnungen werden in Hiragana durch Verdopplung der Vokale gekennzeichnet, das ist etwas komplizierter als in Katakana. Das "A" wird zum Beispiel mit einem zweiten "A" verlängert, das "E" meistens mit einem "I", selten mit einem "E", das "O" wird in der Regel mit einem "U" verlängert selten mit einem zweiten "O", wie die Verlängerung letztendlich geschrieben wird, ist aus den Worten nie herauszuhören.



Kleine Geschichte der Kana
Im Japan musste man in frühen Zeiten Chinesisch können, wenn man schreiben wollte. Dies machte Schreiben natürlich nur für eine kleine Bildungselite möglich. Um das Jahr 1000 herum wurden die Hiragana von einer Japanischen Hofdame erfunden, da es sich für Frauen nicht schickte chinesisch zu lernen oder gar zu schreiben. Die Hiragana haben eine geschwungene, runde Form und sind nach Grundzügen der Ästeethik gestaltet. In früher Zeit wurden die Hiragana deswegen "Onnade" (Frauenhand) genannt. Die Katakana wurden in etwa der gleichen Zeit von einem Mann erfunden, der das Schreiben erleichtern wollte. Die Katakana sind eher einfach und zweckbezogen gehalten. Wer will, kann nun im Vergleich der Beiden Schriftsysteme den Unterschied zwischen Männern und Frauen finden…

Kanji
Die Japaner entwickelten zunächst keine eigene Schrift sondern übernahmen die Kanji im Jahr 400 von den Chinesen. Zuerst wurde tatsächlich auf Chinesisch geschrieben aber dann nach und nach reicherten die Japaner die Chinesischen Zeichen mit eigenen Ideen und Interpretationen an und heute wird mit Kanji Japanisch geschrieben. Kanji bestehen aus Kombinationen von bis zu 23 Strichen in festgelegter Reihenfolge (aber im Grunde hält sich nicht jeder Japaner daran). Die Schriftzeichen lassen sich in drei Gruppen unterteilen, Piktogramme, Ideogramme und Komposita. Die Piktogramme gehen auf über 10.000 Jahre zurück und sind die ältesten Zeichen. Sie stellen bildlich ihre Bedeutung dar:

  • Mensch: 人
  • Baum: 木
  • Feld: 田
  • Fluss: 川
  • Berg: 山
Die Ideogramme sind eine Art Darstellung abstrakter Begriffe wie: 1, 2, 3 -> 一 二 三

Das Problem ist, dass solche Zeichen bei abstrakten Wörtern nicht möglich sind. In diesem Fall wurde ein neues Kanji aus mehreren, schon vorhandenen zusammengesetzt, die sog. Komposita.

Japanisch unterscheidet sich sehr stark von Chinesisch und nicht für jedes Wort der einen Sprache fand sich ein identisches Wort der anderen. Es kam aber auch vor, dass es für ein Wort mehrere Kanji gab z.B. je nachdem, ob ein Gegenstand heiß ist oder das Wetter gemeint ist. Genauso kam es vor, dass es gar kein Kanji für ein japanisches Wort gab. In dem Fall "zweckentfremdeten" die Japaner einfach ein Kanji und gaben ihm eine andere Bedeutung. Die chinesischen Zeichen wurden aber meist entweder von ihrer originalen Bedeutung ins Japanische übernommen oder man verwendete einfach ihren Klang unabhängig der Bedeutung und schrieb Wörter damit zu denen der Klang der Lesung passte.

Im Chinesischen haben Kanji nur eine Lesung. Im Japanischen jedoch bis zu 10 (aber meistens 1-3). Diese teilen sich auf in die sog. ON und kun Lesung. Die ON Lesung nennt man auch die chinesische Lesung, die mehr oder weniger der Originalen chinesischen Lesung nachempfunden ist, sofern das mit den verschiedenen Lautinventaren der Japanischen und Chinesischen Sprache möglich war. Im Gegensatz vieler Vorstellungen ähneln sich die beiden Sprachen wie ein Hund einem Fisch. Man verwendet die ON Lesung meistens wenn mehrere Kanji miteinander kombiniert sind. Die KUN Lesung ist die Japanische Lesung und wird oft verwendet wenn Kanji alleine stehen.

  • 日 – "nichi" – alleine wird es japanisch gelesen (kun) und bedeutet Tag.
  • 火曜日 – "kayoubi" – in dieser Kombination wird die ON Lesung benutzt und das Zeichen wird "bi" gelesen, zusammen ergibt alles das Wort Dienstag. 
  • 今日 – "kyou" – hier bedeutet diese Kombination "heute" die Kanji lassen sich nicht in ihrer Lesung im einzelnen trennen. 
  • 日本 – "nihon" – Hier wird wieder die ON Lesung verwendet, das Zeichen wird "ni" gelesen, diese Kombination bedeutet Japan.

Wie man sich vorstellen kann, stehen nicht nur Nicht-Japaner vor dem Problem der richtigen Aussprache. Daher werden oft Furigana verwendet (kleine Hiragana Zeichen die über oder neben dem Kanji stehen und die Lesung angeben). In Umschriften wird die chinesische Lesung in Romaji in Großbuchstaben geschrieben. Die japanischen Lesungen werden in Romaji in kleinen Buchstaben geschrieben (Wenn ihr euch Lehrbücher kauft, wundert euch nicht, jedes Buch hält das anders).

Im Chinesischen gibt es schätzungsweise 50.000 - 60.000 Kanji (Medizinische, astrologische Zeichen etc. mit einbezogen). Die Japaner benutzen nicht alle davon. Vom japanischen Kultusministerium sind 2000 Zeichen davon empfohlen. 1000 davon gehören zum Grundwortschatz. Kinder lernen 10 Schuljahre lang Kanji. Gebildete Japaner beherrschen um die 3000 Kanji.
 
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