Verhaltenshinweise und Sitten

Verhaltenshinweise und Sitten
Hier findet ihr ein paar Verhaltensregeln, die innerhalb der japanischen Gesellschaft gelten und einige Gesten, die es in westlichen Ländern so wie bei uns nicht gibt. Allem voran sei gesagt, dass Japaner die westliche Höflichkeit akzeptieren und auch Fehltritte von Ausländern meist ignorieren, es ist aber immer besser und vor allem höflicher sich gewissen Regeln und Normen anzupassen. Das freut dementsprechend auch den Gastgeber.

Gefühle
In der Öffentlichkeit ist es nicht üblich seine Gefühle insbesondere Schmerz, Trauer oder Wut preiszugeben. Man möchte die anderen nicht durch seine Sorgen belästigen und hat für andere stets ein Lächeln parat, egal wie man sich gerade selber fühlt. Zärtlichkeiten werden in der Regel nicht in der Öffentlichkeit gezeigt, so ist die Norm. Nicht einmal Händchen halten. Viele jüngere Japaner halten sich aber nicht unbedingt mehr daran.

Das Lächeln kann Freude ausdrücken, kann aber auch Verlegenheit oder Verwirrung ausdrücken. Oft wird durch ein Lächeln auch Wut oder Trauer überspielt.

In der Öffentlichkeit werden zudem keine Wünsche geäußert oder nur sehr selten, da derjenige seinem Gegenüber die Peinlichkeit ersparen möchte die Wünsche nicht erfüllen zu können.

Begrüßung / Verbeugung
In Japan gibt man sich zur Begrüßung oder Verabschiedung nicht die Hand wie bei uns, umarmt oder küsst sich (Küsschen rechts und links), sondern verbeugt sich voreinander. Bei der Verbeugung legen Männer ihre Hände leicht vorne oder seitlich an die Oberschenkel. Frauen umfassen dabei mit der rechten die linke Hand und legen beide zusammen zu einem Dreieck verbunden mittig an die Oberschenkel. Ähnlich funktioniert die Begrüßung oder Verbeugung im Sitzen, nur dass hier das Gesäß auf den Fersen ruht. Frauen haben die Knie aneinander geschlossen, Männer etwas weiter auseinander. Die Haltung der Hände ist identisch wie im Stehen.

In Japan existiert eine hirarchisch strukturierte Gesellschaft. Jeder Mensch hat hier seinen zugewiesenen Platz der u.a. vom Geschlecht, Alter und Firmenzugehörigkeit bestimmt wird. Dem ranghöheren gebührt mehr Respekt d.h. ihm gegenüber muss sich tiefer und länger verbeugt werden. Eine Faustregel dafür, wer sich vor wem tiefer zu verbeugen hat folgt:

  • jüngere gegenüber älteren
  • Frauen gegenüber Männern (auch wenn sie beruflich erfolgreicher sind)
  • Schüler gegenüber Lehrer (auch wenn der Schüler später einen höheren Rang bekleidet als der Lehrer)
  • Gastgeber oder Wirte z.B. gegenüber Gästen
  • Verkäufer/Schuldner gegenüber Käufer/Gläubigern

Innerhalb von Schulen, Vereinen, Universitäten usw. gibt es auch eine spezielle Rangordnung untereinander.

Von "modernen" Japanern bekommt man auch schon mal die Hand zur Begrüßung oder Abschied aus Höflichkeit gereicht. Dieser Händedruck unterscheidet sich aber vom westlichen, da die Japaner meist die Hand nehmen, ganz kurz leicht zudrücken und sie ganz schnell wieder loslassen oder sie lange Zeit nicht loslassen. Hier sollte man sich einfach vor Augen führen das diese Geste in Japan nicht üblich ist.

Auf jemanden zeigen
Um jemanden heranzuwinken, bewegt man die Hand dabei nach unten. Möchte man in die Richtung einer Person, oder auf diese zeigen, so macht man das mit der ganzen Hand und niemals nur mit dem Zeigefinger. Deutet ein Japaner auf sich selber, zeigt er mit dem Zeigefinger auf die eigene Nase.

Visitenkarten
Visitenkarten werden oft als ein Mittel verwendet um seine gesellschaftliche Stellung auf einen Blick erkennbar zu machen. Wenn man also eine Visitenkarte erhält steckt man sie nicht direkt ein, sondern wirft erst einen längeren Blick darauf. Erhält man von ranghöhren Japanern eine Visitenkarte oder will ihnen eine reichen so macht man dies mit beiden Händen. In Japan ist es generell nie verkehrt Visitenkarten dabei zu haben. Es empfiehlt sich für die, die mehrere Tätigkeiten ausüben, Job, spezielle Hobbys, Vereine etc. nicht alles auf eine Karte zu schreiben, sondern sich für jede Tätigkeit eine Visitenkarte herstellen zu lassen, sodass passend zu jeder Gelegenheit die richtige Karte verteilt werden kann.

Betreten einer Wohnung
Beim Betreten einer Wohnung zieht man generell die Schuhe aus. Der Eingangsbereich von Privatwohnungen ist meist durch einen Steinboden begrenzt. Auf dem Steinboden zieht man sich seine Straßenschuhe aus übersteigt die Stufe und zieht sich Flurpantoffeln an. Der Flur ist meist aus Holz. Traditionell gestaltete Räume mit Tatami Boden sind auch für Flurpantoffeln tabu und man betritt diese auf Socken oder barfuss. Vor dem Betreten der Toilette wechselt man von Flurpantoffeln in Toilettenpantoffeln.

Toiletten
Öffentliche Toiletten z.B. in Gaststätten sind oft nicht nach Männern und Frauen getrennt. Frauen ignorieren einfach gegebenenfalls anwesende Menschen. Ebenso gibt es oft kein Toilettenpapier auf öffentlichen Toiletten. Hier empfiehlt sich immer etwas in seiner Tasche dabei zu haben. In großen Städten wie Tokio wird Toilettenpapier auf der Straße zusammen mit Werbeflyern verteilt.

Essen und Trinken Etikette
In Japan trinkt man nicht alleine und so ist es üblich in einer Gesellschaft sich gegenseitig einzuschenken. Wer also auf seinen Alkoholkonsum achten will, sollte stets nur an seinem Glas nippen um zu vermeiden, dass das Glas nachgefüllt wird. Auch beim Essen gibt es bestimmte Regeln, die man einhalten sollte um seine Gastgeber oder den Wirt nicht zu schockieren oder beleidigen wobei westliche Höflichkeit auch immer akzeptiert wird. Wenn man in einem Restaurant Essstäbchen aus einer Papierhülle bekommt, die erst auseinander gebrochen werden müssen, ist es unhöflich diese gegeneinander zu reiben als ob ein Splitter losgerieben werden sollte. Grundsätzlich werden die Stäbchen mit der linken Hand genommen und in die rechte Hand gelegt. Bei Linkshändern ist das ganze umgekehrt. Auf der rechten Seite des Gedecks befindet sich meist eine Ablage für die Essstäbchen. Bei einer Essenspause werden diese dort drauf gelegt mit der Spitze nach links. Die Stäbchen sollten keinesfalls senkrecht ins Essen gesteckt werden. Dies ist ein Symbol für ein Speiseopfer für einen Verstorbenen. Das könnte die Menschen in der Umgebung schockieren. Es wird zusammen begonnen zu essen. Das Essen sollte nicht mit den Stäbchen aufgespießt werden oder darin herumgefahren werden. Die Stäbchen sollten auch beiseite gelegt werden bevor man mit der gleichen Hand eine Schüssel anhebt.

Das Essen an sich gestaltet sich als weniger kompliziert. So kann ruhig gerülpst oder geschmatzt werden beim Essen. Auch kann man die Schalen mit Suppe in beide Hände nehmen und daraus die Suppe trinken. Nudeln werden generell geschlürft. Die Nase niemals bei Tisch putzen, besser den Raum verlassen. Genausowenig nimmt man mit seinen Essstäbchen das Essen von anderen Essstäbchen entgegen. Man nimmt auch keine Lebensmittel mit seinen Essstäbchen von einem Teller, den die anderen mitbenutzen, wenn diese schon im Mund waren. Gegessen wird grundsätzlich nicht unterwegs, weder während des Laufens noch während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Damit könnte man negative Blicke auf sich ziehen.

Sonstiges

Gesten

- Mädchen und Frauen lachen oft mit vorgehaltener Hand.

- Bekommt man in Japan ein Geschenk ist es nicht üblich dieses sofort zu öffnen, sondern legt es zuerst beiseite. Alles andere könnte gierig wirken. Man steht dann zudem in der Schuld ein Geschenk zurück zu machen, dies muss aber nicht zeitlich direkt darauf folgen, sondern man kann sich Zeit lassen. Üblicherweise werden weniger originelle Gegenstände verschenkt. Meistens sind es Gebrauchsgegenstände oder Lebensmittel aus dem Alltag. Blumen werden generell nur zu Anlässen der Trauer verschenkt oder zu Rendevouz.

- Wird mit der rechten Hand vor dem Gesicht gewedelt bedeutet das Verneinung oder Ablehnung.

- Verschränkte Arme bedeuten nicht wie bei uns das die Person eine Ablehnende Haltung annimmt sondern sie denkt angestrengt nach. Ziehen Männer Luft durch die Zähne ein und zischen dabei, so heißt es, dass sie ebenfalls nachdenken oder mit der Antwort zögern. Frauen legen für gewöhnlich den Zeigefinger an die eigene Wange und sagen etwas wie „so desu ne“ (so ist das also).

No-Gos

- In Japan wird grundsätzlich nicht über Preise verhandelt. Ausnahmen sind hier Festlichkeiten zu denen Stände aufgebaut sind und das Tokio Elektronikviertel Akihabara.

- Man putzt sich nicht vor anderen die Nase. Vorher besser wegdrehen und sich dafür entschuldigen "shitsurei shimasu" (ich bin unhöflich)

- Im Gehen sollte nicht gegessen werden

- Frauen sollten nicht mit auseinandergespreizten Beinen sitzen, selbst dann nicht wenn sie eine Hose tragen. Noch viel schlimmer wäre einen Fuß beim Sitzen auf dem Knie zu haben.

- Körperlichen Kontakt während Gespräche vermeiden und nicht zu dicht aneinander stehen. Zumal sich während der Gespräche aus Zustimmung auch oft verbeugt wird.
 
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